Akkreditierung begegnet Ihnen in Ausschreibungen, gesetzlichen Vorgaben oder Kundenanforderungen – doch was genau steckt dahinter? Dieser Beitrag gibt Ihnen einen kompakten Überblick: Was Akkreditierung bedeutet, warum sie wichtig ist und welche Normen für Ihr Unternehmen relevant sein könnten.
Akkreditierung ist die formale Bestätigung durch eine unabhängige Stelle, dass eine Organisation die Kompetenz besitzt, bestimmte Tätigkeiten durchzuführen – etwa Prüfungen, Kalibrierungen, Inspektionen oder medizinische Laboruntersuchungen.
Das Wort stammt vom lateinischen accredere (Glauben schenken) und genau darum geht es: Vertrauen schaffen. Eine akkreditierte Stelle hat nachgewiesen, dass sie nach anerkannten Standards arbeitet, unparteilich handelt und technisch kompetent ist.
In Österreich ist die Akkreditierung Austria (AkkA) die zuständige nationale Akkreditierungsstelle. In Deutschland übernimmt diese Rolle die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS), in der Schweiz die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS).
Akkreditierung ist weit mehr als ein formales Zertifikat. Sie erfüllt mehrere zentrale Funktionen:
Vertrauen und Glaubwürdigkeit: Akkreditierte Ergebnisse werden national und international anerkannt. Ihre Prüfberichte, Kalibrierzertifikate oder Inspektionsberichte genießen ein höheres Maß an Vertrauen bei Auftraggebern, Behörden und Endkunden.
Gesetzliche Anforderung: In vielen Bereichen ist die Akkreditierung gesetzlich vorgeschrieben – etwa in der Trinkwasseranalytik, der Lebensmittelüberwachung oder bei der Überprüfung von Medizinprodukten. EU-Verordnungen und nationale Gesetze machen die Akkreditierung in zahlreichen Sektoren zur Pflicht.
Wettbewerbsvorteil: Bei öffentlichen Ausschreibungen und industriellen Aufträgen ist die Akkreditierung häufig eine Grundvoraussetzung. Ohne sie bleiben Ihnen wichtige Märkte verschlossen.
Kontinuierliche Verbesserung: Der Akkreditierungsprozess zwingt Organisationen, ihre Abläufe regelmäßig zu überprüfen und zu optimieren. Das Ergebnis sind effizientere Prozesse, weniger Fehler und eine höhere Ergebnisqualität.
Je nach Tätigkeitsbereich Ihrer Organisation kommt eine andere Norm zur Anwendung. Die drei zentralen Normen für Konformitätsbewertungsstellen sind:
Die ISO/IEC 17025 ist die weltweit wichtigste Norm für Laboratorien, die Prüfungen oder Kalibrierungen durchführen. Sie stellt Anforderungen an das Managementsystem des Labors, die technische Kompetenz des Personals, die Eignung von Prüf- und Kalibrierverfahren, die Rückführbarkeit von Messergebnissen und die Sicherstellung valider Ergebnisse.
Typische Anwender: Umweltlabore, Baustoffprüfstellen, Kalibrierlabore, Lebensmittellabore, chemische und physikalische Prüfstellen.
Die ISO/IEC 17020 richtet sich an Organisationen, die Inspektionen durchführen – also Bewertungen der Konformität von Produkten, Anlagen, Prozessen oder Dienstleistungen. Sie definiert Anforderungen an Unparteilichkeit und Unabhängigkeit, Kompetenz und Qualifikation der Inspektoren, Inspektionsmethoden und -verfahren sowie Dokumentation und Berichterstattung.
Typische Anwender: Technische Büros, Ingenieurbüros, Ziviltechniker, Prüfstellen für wiederkehrende Überprüfungen, Sachverständige.
Die ISO 15189 ist speziell auf die Anforderungen medizinischer Labore zugeschnitten und berücksichtigt die besonderen Bedingungen im Gesundheitswesen. Sie umfasst Qualitätsmanagement im klinischen Kontext, Präanalytik, Analytik und Postanalytik, Patientensicherheit und klinische Relevanz, Kompetenz des Laborpersonals sowie Risikomanagement.
Typische Anwender: Klinische Labore, Pathologien, Blutbanken, mikrobiologische Labore im Gesundheitswesen.
Der Akkreditierungsprozess folgt einem strukturierten Ablauf, der sich in folgende Phasen gliedert:
Vorbereitung: Sie bauen ein Managementsystem auf, das die Anforderungen der relevanten Norm erfüllt. Dazu gehören die Dokumentation Ihrer Prozesse, die Qualifizierung Ihres Personals und die Validierung Ihrer Methoden.
Antragstellung: Sie stellen einen formalen Antrag bei der zuständigen Akkreditierungsstelle und definieren Ihren gewünschten Akkreditierungsumfang – also die Tätigkeiten, für die Sie akkreditiert werden möchten.
Begutachtung: Ein Begutachtungsteam der Akkreditierungsstelle prüft vor Ort, ob Ihr Managementsystem die Normanforderungen erfüllt. Dabei werden Dokumente geprüft, Prozesse beobachtet und Mitarbeiter befragt.
Akkreditierungsentscheidung: Auf Basis des Begutachtungsberichts entscheidet die Akkreditierungsstelle über die Erteilung der Akkreditierung. Eventuell müssen vorher festgestellte Abweichungen behoben werden.
Aufrechterhaltung: Die Akkreditierung ist kein einmaliges Ereignis. Regelmäßige Überwachungsbegutachtungen und Re-Akkreditierungen stellen sicher, dass Sie dauerhaft die Anforderungen erfüllen.
Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Konzepte:
Akkreditierung bestätigt die Kompetenz einer Organisation, bestimmte fachliche Tätigkeiten durchzuführen. Sie wird von einer nationalen Akkreditierungsstelle vergeben und bezieht sich auf die Fähigkeit, technisch korrekte Ergebnisse zu liefern.
Zertifizierung bestätigt die Konformität eines Managementsystems mit einer bestimmten Norm (z. B. ISO 9001 oder ISO 27001). Sie wird von Zertifizierungsstellen vergeben und bezieht sich auf die Einhaltung von Systemanforderungen.
Einfach gesagt: Bei der Akkreditierung geht es um das Was und Wie gut (Kompetenz), bei der Zertifizierung um das Ob (Konformität mit einem Standard).
Akkreditierung ist der objektive Nachweis, dass Ihre Organisation kompetent, unparteilich und zuverlässig arbeitet. Ob als Prüfstelle nach ISO/IEC 17025, als Inspektionsstelle nach ISO/IEC 17020 oder als medizinisches Labor nach ISO 15189 – die Akkreditierung schafft Vertrauen, öffnet Märkte und treibt die kontinuierliche Verbesserung Ihrer Prozesse voran.
👉 Unser Tipp: Informieren Sie sich frühzeitig über die für Ihren Tätigkeitsbereich relevante Norm und beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme Ihres aktuellen Managementsystems. Je strukturierter Sie den Weg zur Akkreditierung angehen, desto reibungsloser verläuft der gesamte Prozess.
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