Autor: Ing Werner Weninger
Kaum ein Themenbereich sorgt im Laboralltag für so viele Diskussionen wie die Validierung, Verifizierung und Messunsicherheit von Prüf- und Untersuchungsverfahren. Die drei Begriffe klingen ähnlich, werden oft synonym verwendet – und doch beschreiben sie unterschiedliche Tätigkeiten mit klar getrennten Zielen. Wer sie verwechselt, riskiert Audit-Abweichungen, ungültige Ergebnisse und im schlimmsten Fall Fehlentscheidungen für Kundinnen und Kunden. In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen klaren Überblick: Was unterscheidet die drei Konzepte? Wie greifen sie ineinander? Und was bedeutet das konkret für Ihre tägliche Arbeit nach EN ISO/IEC 17025:2018 oder EN ISO 15189:2023?
Jedes Prüf- und Untersuchungsverfahren hat einen einfachen Auftrag: ein richtiges, zuverlässiges und reproduzierbares Ergebnis liefern. Damit Sie das Ihren Kunden glaubhaft zusichern können, fordert die ISO 17025 (und analog die ISO 15189) drei Nachweise:
Diese drei Nachweise sind keine Schikane der Akkreditierungsstellen. Sie sind das Fundament, auf dem das Vertrauen in Ihre Ergebnisse steht.
Eine Validierung beantwortet die grundlegende Frage: Eignet sich das Verfahren für den vorgesehenen Verwendungszweck? Sie ist immer dann erforderlich, wenn Sie ein Verfahren einsetzen, das nicht standardisiert ist – also eine Eigenentwicklung, eine wesentliche Modifikation einer Norm-Methode oder eine Methode, die außerhalb ihres ursprünglichen validierten Anwendungsbereichs verwendet wird.
Validierung ist ein vollständiger Eignungsnachweis. Untersucht werden in der Regel folgende Leistungsmerkmale:
👉 Merksatz: Validierung ist die Geburt eines Verfahrens. Sie zeigt, dass es überhaupt das tut, was es soll.
Die Verifizierung ist der kleine, aber sehr wichtige Bruder der Validierung. Sie wird angewendet, wenn Sie ein bereits validiertes, normiertes Verfahren in Ihrem Labor neu einführen.
Ein Beispiel: Sie übernehmen eine ISO-Methode zur Bestimmung von Schwermetallen im Trinkwasser. Diese Methode ist von der Norm-Organisation bereits validiert. Sie müssen sie also nicht erneut komplett validieren. Aber: Sie müssen nachweisen, dass Sie diese Methode in Ihrem Haus, mit Ihren Geräten und Ihren Mitarbeitenden, korrekt umsetzen und vergleichbare Ergebnisse erzielen.
Die Verifizierung ist deutlich schlanker als eine Validierung. In der Regel reichen folgende Nachweise:
👉 Merksatz: Verifizierung ist der Einzug in Ihr Labor. Sie zeigt, dass das Verfahren bei Ihnen genauso funktioniert wie bei seinem Erfinder.
Die Messunsicherheit ist der Quantifizierer der Wahrheit: Sie gibt an, in welchem Bereich der wahre Wert eines Messergebnisses mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. Kein Messergebnis ist exakt – jeder Messwert ist mit einer Streuung behaftet, und genau diese Streuung machen Sie mit der Messunsicherheit transparent.
Weil Ihre Kundinnen und Kunden auf Basis Ihrer Ergebnisse Entscheidungen treffen können müssen: Ist der Grenzwert eingehalten? Ist das Produkt konform? Ist der Patient gefährdet? Ohne Angabe der Messunsicherheit lässt sich keine dieser Fragen seriös beantworten.
Ein Beispiel: Sie messen einen Bleigehalt von 9,8 mg/kg, der Grenzwert liegt bei 10,0 mg/kg. Liegt das Ergebnis innerhalb oder außerhalb des Grenzwerts? Erst wenn Sie sagen können „9,8 ± 0,5 mg/kg“, ist eine fundierte Konformitätsaussage möglich.
Grundlage ist der internationale Leitfaden GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement). Vereinfacht gibt es zwei Hauptansätze:
In der Praxis ist der Top-down-Ansatz für viele Routine-Verfahren effizienter. Wichtig ist: Die Messunsicherheit ist kein einmaliges Berechnungsprojekt, sondern wird regelmäßig überprüft und aktualisiert – z. B. durch Kontrollkarten oder Ringversuchsergebnisse.
👉 Merksatz: Die Messunsicherheit ist die Ehrlichkeit eines Verfahrens. Sie zeigt, wie zuverlässig Ihr Ergebnis tatsächlich ist.
Validierung, Verifizierung und Messunsicherheit sind keine isolierten Übungen. Sie greifen ineinander wie Zahnräder:
Ändern sich die Bedingungen wesentlich – neues Gerät, neue Matrix, neue Mitarbeitende mit anderem Erfahrungshintergrund – starten Sie den Kreislauf bei Schritt 1 oder 2 erneut.
Aus unserer Erfahrung als Akkreditierungsexperten begegnen uns immer wieder dieselben Findings:
Die Anforderungen finden sich an klar definierten Stellen:
In beiden Normen gilt: Die Anforderungen sind methoden- und tätigkeitsspezifisch. Es gibt keine Pauschallösung – aber es gibt klare Logik, sobald Sie die drei Konzepte sauber trennen.
Validierung beweist, dass ein Verfahren grundsätzlich funktioniert. Verifizierung beweist, dass es auch bei Ihnen funktioniert. Messunsicherheit zeigt, wie zuverlässig Ihre Ergebnisse sind. Wer diese drei Konzepte sauber trennt, dokumentiert und im Routinebetrieb pflegt, hat ein robustes Fundament für seine Akkreditierung – und vor allem für das Vertrauen seiner Kundinnen und Kunden.
👉 Unser Tipp: Erstellen Sie eine einfache Übersicht für jede Ihrer Methoden mit drei Spalten: Validierung erforderlich? – Verifizierung erforderlich? – Messunsicherheit dokumentiert und aktuell? Diese Matrix ist Ihre beste Vorbereitung auf jedes Audit.
Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Validierungs- und Verifizierungsprozesse normkonform aufzusetzen, Messunsicherheiten korrekt zu ermitteln und Ihre Dokumentation auditfest zu gestalten. Im METRAS Portal finden Sie zudem fertige Vorlagen, Checklisten und Leitfäden, die Sie sofort einsetzen können.