Regulatorische Software boomt – was das für akkreditierte Stellen bedeutet - METRAS

Regulatorische Software boomt – was das für akkreditierte Stellen bedeutet

Regulatorische Software – sogenannte RegTech – erlebt gerade einen beispiellosen Investitionsboom. Allein im Februar 2026 hat das Wiener Startup Flinn.ai 20 Millionen US-Dollar für seine KI-gestützte Compliance-Plattform im MedTech-Bereich eingesammelt. Was bedeutet dieser Trend für Sie als akkreditierte Konformitätsbewertungsstelle?

1. Der RegTech-Boom: Was passiert gerade?

RegTech – kurz für Regulatory Technology – beschreibt Software-Lösungen, die Unternehmen dabei unterstützen, regulatorische Anforderungen effizient und digital zu erfüllen. Was vor wenigen Jahren noch eine Nische war, ist heute ein milliardenschwerer Markt.

Die Zahlen sprechen für sich: Investoren erkennen, dass regulatorische Prozesse enormes Automatisierungspotenzial bieten. Unternehmen wie Flinn.ai (Wien) zeigen, wie KI-gestützte Plattformen regulatorische Dokumentation, Überwachung und Berichterstattung automatisieren können. Ihre Kunden – darunter Carl Zeiss und Philips – nutzen die Software für Post-Market Surveillance, Literaturevaluierung und regulatorisches Monitoring nach EU-MDR und IVDR.

Doch der Trend beschränkt sich nicht auf Medizinproduktehersteller. Er erfasst das gesamte regulatorische Ökosystem – und damit auch akkreditierte Prüfstellen, Labore und Inspektionsstellen.

2. Warum der Trend auch Ihre akkreditierte Stelle betrifft

Sie denken vielleicht: „MedTech-Compliance ist nicht mein Thema – ich arbeite nach ISO/IEC 17025, ISO/IEC 17020 oder ISO 15189.“ Richtig. Aber der dahinterliegende Mechanismus betrifft Sie direkt:

Die Erwartungshaltung steigt. Wenn Hersteller ihre regulatorischen Prozesse digitalisieren und automatisieren, erwarten sie dasselbe von ihren Prüf- und Kalibrierpartnern. Akkreditierte Stellen, die weiterhin mit Excel-Listen und Papierordnern arbeiten, geraten unter Druck.

Die Akkreditierungsstellen ziehen nach. DAkkS, Akkreditierung Austria und andere Stellen treiben die Digitalisierung aktiv voran. Die jüngsten Leitfäden zur Nutzung von KI in akkreditierten Stellen zeigen: Digitale Kompetenz wird zunehmend erwartet – nicht nur geduldet.

Die Normen öffnen sich. Die neue ISO/IEC 17020:2026 berücksichtigt explizit digitale Werkzeuge, KI und Remote-Technologien. Das ist ein klares Signal: Digitalisierung ist kein optionales Add-on mehr, sondern wird in die Anforderungen integriert.

3. Drei Lehren aus dem RegTech-Boom für Ihre Akkreditierung

Lehre 1: Der „Full Lifecycle“-Ansatz gewinnt

Erfolgreiche RegTech-Unternehmen decken nicht einzelne Schritte ab, sondern den gesamten regulatorischen Lebenszyklus. Für akkreditierte Stellen bedeutet das: Denken Sie Ihren Akkreditierungsprozess ganzheitlich – vom Aufbau des Managementsystems über die Akkreditierung bis zur laufenden Aufrechterhaltung und Optimierung. Insellösungen für einzelne Normkapitel reichen nicht mehr aus.

Lehre 2: KI wird zum Wettbewerbsvorteil

Flinn.ai nutzt KI, um klinische Berichte zu erstellen und Sicherheitsdatenbanken in Echtzeit zu überwachen. Auch in der Akkreditierung gibt es konkrete Einsatzmöglichkeiten: automatisierte Dokumentenlenkung, intelligente Norminterpretation, KI-gestützte Vorbereitung auf Begutachtungen. Wer diese Werkzeuge früh einsetzt, spart Zeit und Ressourcen – und kann sich auf die fachliche Kernarbeit konzentrieren.

Lehre 3: Software muss branchenspezifisch sein

Generische Projektmanagement-Tools reichen nicht. Der Erfolg von Flinn.ai zeigt: Nur Software, die die spezifischen Anforderungen einer Branche versteht – ob MDR für Medizinprodukte oder ISO/IEC 17025 für Prüfstellen – kann echten Mehrwert schaffen. Suchen Sie nach Lösungen, die Ihre Normanforderungen kennen und in ihre Workflows integrieren.

4. Was Sie jetzt konkret tun können

Sie müssen nicht gleich 20 Millionen investieren. Aber Sie sollten jetzt die Weichen stellen:

Digitalen Status quo ehrlich bewerten: Wie viele Ihrer Prozesse laufen noch manuell? Wo verlieren Sie Zeit mit Routineaufgaben, die automatisiert werden könnten?

Managementsystem digitalisieren: Dokumentenlenkung, Schulungsnachweise, Gerätemanagement, interne Audits – all diese Bereiche profitieren massiv von einer zentralen, digitalen Lösung.

KI-Kompetenz aufbauen: Schulen Sie sich und Ihr Team im Umgang mit KI-Tools. Die Akkreditierungsstellen erwarten zunehmend, dass Sie wissen, wie KI in Ihrem Bereich eingesetzt werden kann – und welche Risiken damit verbunden sind.

Den Anschluss nicht verlieren: Die Geschwindigkeit der Digitalisierung im regulatorischen Bereich nimmt zu. Wer heute beginnt, hat einen Vorsprung. Wer wartet, muss morgen aufholen.

Fazit

Der RegTech-Boom ist kein Hype – er ist ein Strukturwandel. Investoren investieren Millionen, weil sie wissen: Regulatorische Prozesse werden digital. Für akkreditierte Konformitätsbewertungsstellen bedeutet das eine klare Handlungsaufforderung: Wer jetzt in die Digitalisierung seines Managementsystems investiert, sichert nicht nur die Akkreditierung, sondern schafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil.

 

Unser Tipp: Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme Ihrer digitalen Reife. Identifizieren Sie die drei Prozesse, die Sie am meisten Zeit kosten – und prüfen Sie, wie eine branchenspezifische Softwarelösung diese optimieren kann.

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